Die 12 Rauhnächte: Wenn sich das Jahr in Rauch auflöst
Als Rauhnächte werden die 12 magischen Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag bezeichnet. Sie dienen dazu, das alte Jahr zu reflektieren, Dinge loszulassen und neue Ziele zu setzen.
Als Rauhnächte werden die 12 magischen Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag bezeichnet. Sie dienen dazu, das alte Jahr zu reflektieren, Dinge loszulassen und neue Ziele zu setzen.
Die Rauhnächte sind eine faszinierende Zeit voller Mythen, Traditionen und Rituale. Sie erstrecken sich über 12 Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag und gelten als magische Phase, in der die Grenzen zwischen den Welten besonders durchlässig sein sollen. Doch was steckt hinter dieser alten Tradition, und welche Bedeutung haben die Rauhnächte heute?
Die magische Zeit der Rauhnächte fällt zum Jahreswechsel auf die folgenden Nächte:
Die erste Rauhnacht: Mitternacht des 24. Dezembers.
Die letzte Rauhnacht: Mitternacht des 5. Januars.
Traditionell beginnen die Rauhnächte um Mitternacht am 24. Dezember und enden in der Nacht vom 5. auf den 6. Januar. In einigen Überlieferungen beginnen die Rauhnächte bereits zur Wintersonnenwende am 21. Dezember.
Die 12 Nächte stehen für je einen der 12 Monate im Jahr und gelten seit Jahrhunderten als Zeit der Einkehr, des Rückblicks und der Neuausrichtung. Man zieht sich aus dem Alltagstrubel zurück, blickt auf das neue Jahr und bereitet sich darauf vor.
Gleichzeitig bieten die Rauhnächte die Gelegenheit, Wünsche, Träume und Ziele für das kommende Jahr zu formulieren. Es ist eine Phase der Reinigung und der Vorbereitung auf einen neuen Anfang.
In früheren Zeiten galten die Rauhnächte als eine äußerst sensible Zeit, in der die Menschen versuchten, Unheil abzuwehren und Glück für das neue Jahr zu sichern. Viele der überlieferten Bräuche, wie das Räuchern oder das Orakeln, basieren auf diesen Vorstellungen.
Die Bezeichnung „Rauhnächte“ wird oft mit dem „Räuchern“ (vom althochdeutschen „rouh“) in Verbindung gebracht, da das Räuchern mit duftenden Kräutern und Harzen ein zentrales Ritual ist. Andere Deutungen beziehen sich auf die „rauhen“ oder wilden Geister, die in dieser Zeit ihr Unwesen treiben sollen.
Jede der 12 Nächte steht für einen Monat des kommenden Jahres. Das bedeutet, dass die erste Rauhnacht den Januar symbolisiert, die zweite den Februar und so weiter. In dieser Zeit gibt es zahlreiche Rituale, die helfen sollen, das Jahr bewusst zu gestalten. So gibt es für jede Nacht auch das passende Räucherwerk:
In der Zeit der Rauhnächte gibt es zahlreiche Rituale, die helfen sollen, das Jahr bewusst zu gestalten.
Räuchern: Mit Harzen, Kräutern wie Salbei oder Beifuß und Weihrauch werden Wohnräume gereinigt und von alten Energien befreit.
Traumtagebuch: Man sagt, dass die Träume in den Rauhnächten besondere Botschaften für die Zukunft enthalten. Ein Traumtagebuch hilft, diese festzuhalten.
Orakeln: Traditionell wurde versucht, durch kleine Zeichen wie Wachsgießen oder das Ziehen von Karten Hinweise für das kommende Jahr zu erhalten.
Wunschritual: Zwölf Wünsche werden auf Zettel geschrieben und jede Nacht wird einer verbrannt. Der letzte, der übrig bleibt, soll im neuen Jahr eigenhändig umgesetzt werden.
Reinigung: Viele Menschen nutzen die Zeit für persönliche und räumliche Reinigung, um Altes loszulassen und Platz für Neues zu schaffen.
Zu Beginn der Rauhnächte werden 13 konkrete Wünsche für das kommende Jahr einzeln auf Zettel geschrieben. Anschließend werden diese Zettel gefaltet und in einer Schatulle, Dose oder in einem Schälchen gut verstaut. Ab der Nacht zum 25. Dezember wird nun jeden Tag ein Zettel gezogen und in einer Feuerschale verbrannt. Wichtig: Der Wunsch darf vorher nicht mehr gelesen werden. Das Universum oder höhere Mächte sollen sich nun um die Erfüllung der Wünsche kümmern. Der 13. Wunsch, der übrige bleibt, muss von einem selbst erfüllt werden.
Nach altem Volksglauben sollte man in den Rauhnächten keine Wäsche aufhängen, weil die Geister der wilden Jagd sich darin verfangen und so im Haus verbleiben könnten. Auch harte Arbeit und laute Geräusche sollten vermieden werden, um die Ruhe dieser magischen Zeit nicht zu stören.
Ob man die Rauhnächte als spirituelle Zeit oder als Gelegenheit für Reflexion und Entspannung sieht, bleibt jedem selbst überlassen. Ihre besondere Stimmung und die dazugehörigen Rituale bieten jedoch eine einzigartige Möglichkeit, das Jahr bewusst zu verabschieden und voller Zuversicht in einen neuen Abschnitt zu starten.
Quelle: nationalgeographic.de, krautundrueben.de, deutschlandfunkkultur.de