Nur für Männer gedacht? Wie Mobilität gerechter werden soll
Für den durchschnittlichen Mann sind Wege in der Stadt in der Regel kein Problem. Für viele andere aber schon. Eine Karlsruher Professorin will dies ändern.
Für den durchschnittlichen Mann sind Wege in der Stadt in der Regel kein Problem. Für viele andere aber schon. Eine Karlsruher Professorin will dies ändern.
Ob arm, gebrechlich, jung oder weiblich - was die Fortbewegung in Städten angeht, sind verschiedene Gruppen aus Sicht einer Karlsruher Professorin benachteiligt. «Die Schwächsten sind am schlechtesten gestellt. Viele sind von Transportmitteln ausgeschlossen», sagt Franziska Meinherz vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT).
Die Professorin für Stadt- und Mobilitätsgeographie will im Rahmen ihres neuen Lehrstuhls dafür sorgen, dass es in Städten gerechter zugeht.
Der Geschlechtergraben
Ein Problem aus ihrer Sicht: Straßen und Wege, Bahn- und Busverbindungen seien vor allem auf Pendler ausgerichtet; meist Männer, die morgens von Zuhause zur Arbeit fahren und wieder zurück.
Weil die Sorgetätigkeit noch immer ungleich verteilt sei, müssten Frauen dagegen häufig Umwege nehmen. Etwa, wenn sie vor der Arbeit Kinder zur Kita bringen, diese danach abholen und noch in den ein oder anderen Laden müssen. Die Folge laut Meinherz: «Mütter sind von Mobilität viel gestresster als Väter.»
Der gefährliche Schulweg
Besonders für Kinder sei die Stadt ein gefährlicher Ort. Kritisch sind aus Sicht der KIT-Professorin etwa gemeinsam mit Autos genutzte Radwege, unübersichtliche Abbiegestellen, lange Wartezeiten bei Fußgängerampeln, zu kurze Grün-Phasen oder breite Verkehrsschneisen. «Für Kinder ist das Gefahrenpotenzial immens.»
E-Bikes, mehr Bahnen und Busse statt Autos
Nach Meinung der Mobilitätsexpertin nimmt das Auto in Städten noch zu viel Raum ein. Das müsste nicht sein: Viele würden auf das Auto verzichten, wenn es Alternativen gäbe, daran hat Meinherz keine Zweifel. Subventionierte E-Räder könnten ihr zufolge manchen zum Umstieg bewegen. Ein besser ausgebautes Schienennetz sowieso. Wenn Bahnen und Busse öfter fahren und Wege zu Haltestellen verkürzt würden, würden Städte auch sozialer, ist die frühere Schweizer Klima-Aktivistin überzeugt.
Es geht auch um Gebrechliche und Arme
Denn das würde auch Menschen nutzen, die sich kein Auto leisten können, aber oft in schlecht vom ÖPNV angebundenen Vierteln wohnten. Oder denjenigen, die keine weiten Wege mehr zurücklegen könnten oder wegen eines Handicaps nicht mobil seien. Die 33 Jahre alte Professorin weiß, was Menschen bewegt: Im Rahmen ihrer Promotionsarbeit hat sie Städter gefragt, wie sie unterwegs sind und warum. Die meisten hätten das Auto in der Stadt dabei als Ballast empfunden, sagt sie. Schon alleine wegen der Staus.
Vorbild Paris
Dass Städte relativ schnell umgebaut werden könnten, zeigt für sie das Beispiel Paris. In der französischen Hauptstadt sollen künftig hunderte Straßen für Autos gesperrt und begrünt werden. Dafür sprachen sich Bürger bei einer Befragung Ende März aus.
Was in den engen Straßen von Paris geht, müsste aus Sicht von Meinherz in deutschen Städten erst recht gehen. Schließlich seien hier nach dem Krieg Straßen besonders breit gebaut worden. Es sei also viel mehr Platz, um den verschiedenen Bedürfnissen gerecht zu werden.
© dpa-infocom, dpa:250402-930-421130/1
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten